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Der 942 ist easy going und insgesamt ein ausgereiftes Konzept.

Fitim Mehmeti, LU M & H Agrarlogistik, Wobeck - Fendt 900, 1000 Vario

Der 942 ist easy going und insgesamt ein ausgereiftes Konzept.

Easy going

Es ist Mitte Juli, morgens um kurz nach 9 Uhr, und das Thermometer ist schon jetzt hart an die „Hitzefrei-Grenze“ herangerückt. Ein schattiges Plätzchen mit Blick auf den Hof erscheint da für das Interview am sinnvollsten, nicht nur wegen Corona. Mir gegenüber sitzen Lohnunternehmer Fitim Mehmeti und seine Mitarbeiterin Anni Hantelmann. Gesprächsthemen sollen Bodenbearbeitung und die Erfahrungen mit der neuen 9er-Baureihe von Fendt sein. Aber zuerst schweift mein Blick über den Hof – Wohnhaus und Scheunen legen den Gedanken an einen altehrwürdigen Gutsbetrieb nahe und nicht an ein Lohnunternehmen, so meine Vermutung. „Stimmt genau“, bestätigt der Lohnunternehmer. „Dies ist das Klostergut Wobeck, das Falk Henties mitsamt der rund 360 ha Ackerfläche gepachtet hat – der wiederum zusammen mit mir auch Gesellschafter unseres Lohnunternehmens M & H Agrarlogistik ist“, so seine Erklärung. Ein eigenes Lohnunternehmen für einen Ackerbaubetrieb? „Ja und nein“, meint Fitim Mehmeti weiter. „Ja, weil die im heutigen Ackerbau notwendige Effizienz und damit Maschinenauslastung selbst bei 360 ha nicht mehr machbar ist. Deshalb investiert Falk Henties nicht in eigene Technik zur alleinigen Nutzung, sondern vergibt Außenarbeiten komplett an uns als M & H Agrarlogistik. Und nein, denn natürlich arbeiten wir als Dienstleister nicht nur für einen Kunden, sondern mittlerweile für zwölf feste Kunden aus der Landwirtschaft im Umkreis von 50 km.“

Komplettlösungen

Das „mittlerweile“ bezieht sich jedoch nicht auf eine lange Zeitspanne, sondern auf gerade einmal drei Jahre. Fitim Mehmeti machte sich zwar bereits mit 18 Jahren als „Ein-Mann-Unternehmer“ für landwirtschaftliche Dienstleistungen selbstständig – das war vor neun Jahren. Die M & H Agrarlogistik ging erst 2018 an den Start. Seitdem ist das Team auf 14 feste Mitarbeitende sowie bis zu 20 Saisonhelfer*innen angewachsen. Weitgehend alle stammen aus der Landwirtschaft und/oder haben eine entsprechende Agrar-Ausbildung bzw. –Studium. Auch Anni Hantelmann hat ihre Wurzeln im elterlichen Betrieb und arbeitet seit 2018 bei M & H. „Spannend finde ich hier das vielfältige Aufgabenspektrum, die moderne Technik, die enge Zusammenarbeit mit den Kunden – und nicht zu vergessen den Teamgeist. Eigenverantwortliches Arbeiten, eine flache Hierarchie und ein unkompliziertes Miteinander sind echt prima“, betont sie.

Für einen großen Teil der genannten zwölf Kunden führt M & H die komplette Außenwirtschaft durch. Basis der Zusammenarbeit bilden meistens feste Verträge mit Laufzeiten zwischen fünf und zehn Jahren. Sie geben beiden Seiten Sicherheit, wie Fitim Mehmeti erläutert: „Das gilt für uns als relativ junges Unternehmen, dass sich das Eigenkapital schrittweise erwirtschaften muss. Aber die Landwirte haben auch die Gewissheit, dass ihre Flächen zuverlässig, in hoher Qualität und dank hoher Effizienz auch sehr rentabel bewirtschaftet werden“, fügt er hinzu. Positiv sei zudem, dass auf vertraglicher Basis die Dienstleistungspreise verbindlich vereinbart sind, betont er: „Und das auf einem guten Niveau. Denn unsere Kunden wünschen sich von uns bestmögliche Lösungen und sind bereit, diese auch in angemessenem Rahmen zu honorieren.“ Als kleines Beispiel zum Stichwort Problemlösung nennt er die kurzfristige Entscheidung dieses Frühsommers, einige Getreidebestände als Ganzpflanzensilage zu nutzen. Grund dafür war laut Fitim Mehmeti die wachsende Problematik des resistenten Ackerfuchsschwanzes. „Um zu verhindern, dass sich die Ungrassamen verbreiten, haben wir einige betroffene Bestände gehäckselt. Wir sind aber mit der Häckselkolonne auch zu den Kunden gefahren, wenn es sich dabei nicht um einen kompletten Schlag, sondern nur um Teilbereiche handelte. Der Aufwand ist etwas höher, aber das Ergebnis zählt“, unterstreicht er.

So wenig Boden wie möglich bewegen – diese Devise gilt bei M & H in der Stoppelbearbeitung. Die regelmäßige Kontrolle des Arbeitsergebnisses gehört dazu.

So flach wie möglich

Dies sei jedoch nur eine von mehreren wichtigen Maßnahmen, Problemgräser und Unkraut zu bekämpfen. Eine weitere Stellschraube stelle die Bodenbearbeitung dar, und hier speziell die sogenannte Stoppelbearbeitung, also der erste Arbeitsgang nach dem Mähdrusch. Ihm misst der junge Lohnunternehmer eine größere Bedeutung bei als zum Beispiel dem Pflügen. Letzteres steht bei M & H natürlich auch auf der Agenda, aber „nur“ für rund 300 ha Fläche, die für Gerste vorgesehen ist. „Bei dieser Frucht und den schweren Böden hier macht Pflügen durchaus Sinn – aber nicht zur Unkrautbekämpfung. Dafür ist es besser, generell gleich nach der Ernte möglichst flach den Boden zu lockern“, meint Fitim Mehmeti. Und Anni Hantelmann ergänzt: „Flach heißt dann richtig flach – und zwar so, dass möglichst wenig Boden bewegt werden muss, also die Getreidestoppel nicht gekippt oder gar auf den Kopf gestellt wird. Für manchen Landwirt ist das durchaus gewöhnungsbedürftig. Doch das Ziel, Unkraut und Gras zum Keimen zu bringen, wird erfüllt, und darauf kommt es an.“ Mit Blick auf die Ungrasbelastung im Getreide kann er es sich deshalb sogar vorstellen, zum Beispiel die Getreidestoppel nach der Ernte allein mit einem Striegel zu bearbeiten. „Das hatten wir eigentlich schon für 2020 geplant, sind aber leider noch nicht dazu gekommen, es zu testen“, meint er.

Steckenpferd Boden

Technisches Mittel der Wahl in der Bodenbearbeitung auf einem großen Teil der bearbeiteten Flächen sind – wie auch zur Saatbettvorbereitung – Kurzscheibenegge und Grubber. Pro Jahr sät das Lohnunternehmen im Kundenauftrag etwa 1.800 ha, und auf dieser Fläche wurde der Boden vorher auch weitgehend von M & H bearbeitet. Wobei manche Parzellen nach der Stoppelbearbeitung auch zwei oder drei weitere Arbeitsgänge erfahren. In Summe macht das – inklusive der schon erwähnten 300 gepflügten Hektar – pro Jahr etwa 5.500 ha in der Bodenbearbeitung. Generell bezeichnet der Lohnunternehmer das Thema als eines seiner Steckenpferde. „Der Boden und die Art, wie er behandelt wird, ist nun mal eine wesentliche Grundlage des pflanzenbaulichen Erfolgs. Deshalb ist für mich die Bearbeitung keine lästige Pflicht, sondern ein Bestandteil qualitativ guter Dienstleistung“, unterstreicht er. So ist auch bei der Reifenwahl für ihn die Bodenschonung das Maß der Dinge. So läuft zum Beispiel sein neuer Fendt 942, der bei ihm seit April im Einsatz ist, hinten mit 900er und vorn mit 710er Bereifung von Michelin, auf dem Acker dann mit 0,6 bar Druck – nicht zu vergessen eine Reifendruckregelanlage. Große Arbeitsbreiten sind für Fitim Mehmeti ebenfalls ein Mittel zur Bodenschonung, allein schon durch eine geringere Zahl Überfahrten. In der Bodenbearbeitung läuft dies für ihn auf 6 m bis 8 m hinaus, was wiederum die Zugmaschinen fordert. „Unsere Topographie hier an Nordrand des Elm ist durchaus ambitioniert. Mit 8 m breitem Grubber und 30 cm Arbeitstiefe auf Tonboden am Hang werden die Reserven gefordert, da sind 400 PS schon die Untergrenze. Deshalb haben wir unter anderem für diese Aufgabe unseren Fendt 1050“, so der Lohnunternehmer.

Der neue Traktor hat die Reifendruckregelanlage gleich ab Werk mitgebracht.

Überzeugendes Technikkonzept

Ebenfalls eine Schlüsselmaschine in der Bodenbearbeitung ist für ihn der neue 942, der seit April im Einsatz ist. In den ersten drei Monaten brachte der Traktor es bereits auf 300 Betriebsstunden. Kalkuliert ist er pro Jahr auf etwa 1.600 h – ein Wert, der jetzt mit der Herbstaussaat und den anderen anstehenden Aufgaben locker erreicht wird, wie Anni Hantelmann betont. Sie ist bekennender Fendt-Fan, kennt die verschiedenen Maschinengenerationen und ihre technischen Möglichkeiten bestens – und ist vom „Neuen“ unter den M & H-Traktoren begeistert. Dies resultiert aus sehr verschiedenen Aspekten, wobei sie u. a. das Niedrigdrehzahlkonzept ausdrücklich hervorhebt. „Es ist klasse, zu sehen, was die Maschine bei 1.100 U/min alles zieht und wie gering der Kraftstoffverbrauch selbst bei schwerer Arbeit ist“, erklärt sie. Als Beispiel nennt sie den Einsatz mit der 8-m-Scheibenegge, bei der sich der Durst des 942 im Schnitt zwischen 15 und 16 l/h einpendelt. „Am steileren Hang wird’s natürlich auch mal mehr – doch dann ist die Kraft abrufbar.“ Sehr hilfreich findet sie dazu – besonders mit Blick auf (noch) nicht ganz so routinierte Fahrer – das Traktor-Motormanagement-System, dass die Drehzahl automatisch den jeweiligen Leistungsanforderungen anpasst. Und Fitim Mehmeti merkt dazu an: „Was das angeht, ist der 942 easy going und insgesamt ein ausgereiftes Konzept.“ Auch sonst sieht er beim neuen 942 einiges Positives im Vergleich zur Vorgängerserie. Hierzu gehört für ihn u.a. der noch größere Fahrkomfort, aus Sicht des Arbeitgebers ein echter Motivationsfaktor für die Mitarbeiter. „Das darf man nicht unterschätzen, selbst bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter. Fendt war auch deshalb bei uns ohnehin von Beginn an gesetzt, aber die neue 9er-Generation ist schon eine Liga für sich.“

Nicht alles alleine

Nicht ohne – das gilt bei M & H ebenso für die Zusammenarbeit mit seinen Landmaschinenhändlern der Wahl, allen voran die Agravis Technik Heide-Altmark mit der Werkstatt in Königslutter und das Horsch-Zentrum der NewTec in Peine. „Beide Teams sind im Ernstfall quasi rund um die Uhr erreichbar und unterstützen uns hervorragend. Das ist bei der Wahl einer Technikmarke für mich sehr wichtig und macht es möglich, dass wir die eigene Werkstatt schlank aufstellen können“, erläutert Fitim Mehmeti. Der Begriff schlank gilt auch für seinen „eigenen“ Maschinenpark, wie sich im Gespräch herausstellt. Der Lohnunternehmer sieht keinen Sinn darin, für alles und jede Tätigkeit aus seinem Dienstleistungsspektrum Maschinen vorhalten zu müssen. Und wenn selbst angeschafft, dann vorzugsweise erst leasen und später ins Eigentum übernehmen. Darüber hinaus setzt er auf enge Kooperation mit Partnern, etwa in der Düngung mit Bollmer oder in der Arbeitserledigung mit anderen Lohnunternehmern, wie etwa beim Häckseln und in der Gülleausbringung mit LU Ährensache. „Warum soll jeder das Rad neu erfinden? Gewinn kommt vor allem durch Auslastung und Effizienz, das gilt auch für uns als Lohnunternehmer.“ Sorge, dabei Kunden an Kollegen zu verlieren, hat er nicht. „Die Chemie passt. Und unsere Kunden wünschen sich von uns die zuverlässige Problemlösung im Gesamtpaket. Wie wir das machen, ist für sie zweitrangig. Wichtig ist das Ergebnis.“

Quelle: LU-Spezial November 2020